Der Anwender wird ignoriert

Der Anwender kann so allerhand einstellen - aber nicht bei Adobe...Voller Freude öffnete ich heute meine Post und hielt die neue Version von Adobe Photoshop Elements 4 in den Händen. Klar, dass die erste Tätigkeit am Rechner die Installation dieser wundervollen Software war. Doch das hätte ich lieber lassen sollen. Denn Adobe hat es sich scheinbar zum Ziel gesetzt, die Anwender komplett zu ignorieren.

Dabei begann alles ganz harmlos. Mit der Vorstellung von Windows XP wurden zwei neue Technologien eingeführt, die bei vielen Anwendern für Freude sorgen, von einigen erfahrenen Anwendern jedoch strikt abgelehnt werden: Visuelle Themes und Cleartype.

Visuelle Themes bei Windows XP

Themes 

Die visuellen Themes hat sicher jeder schon gesehen. Die Oberfläche “Luna” ermöglicht es, die Designs von Buttons bis hin zu Checkboxen anzupassen. Durch die vielen runden Kanten ist sie von vielen als “Bubble-Oberfläche” verpönt und wird oft zur Steigerung der Systemgeschwindigkeit deaktiviert.

 

Cleartype (hier im Vordergrund) führt zu kontroversen Diskussionen

ClearType 

Eine weitere Neuerung bei Windows XP war ClearType. Damit ist eine verbesserte Kantenglättung bei Schriftarten gemeint, die auch bei Schriftgrößen von 10 und kleiner in Aktion tritt - es werden also im Gegensatz zur herkömmlichen Schriftglättung Systemdialogfelder und Menüs geglättet. Der Wille von Microsoft war, die Lesbarkeit der Fenster auf TFT-Bildschirmen zu verbessern, bei vielen Anwendern entsteht jedoch eher ein gegenteiliger Eindruck. Die Schriften sind schlecht zu lesen und längeres Arbeiten strengt die Augen sehr an. Aber auch diese Funktion kann ein- und ausgeschaltet werden und ist im Gegensatz zu den Themes als Standard deaktiviert.

Der Anwender hat die Wahl…

Microsoft weiß, dass es Anwender mit unterschiedlichen Ansprüchen gibt und lässt diesen daher die Wahl, welche Funktionen sie aktivieren möchten. Für ClearType gibt es aus programmiertechnischer Sicht keine speziellen Funktionen, die nötig wären - jedes Programm unterstützt sie von Hause aus, wenn ClearType im System aktiviert ist. Auch für die visuellen Themes ist nicht viel Aufwand zu treiben: Eine simple XML-Datei - ein sogenanntes Manifest - als zusätzliche Datei beigelegt oder als Ressource in den Programmcode eingebunden macht nahezu jede Anwendung sofort Themes-fähig.

…oder auch nicht

Um so erstaunlicher ist die Tatsache, welchen Aufwand die Hersteller treiben, eigene Funktionen für ClearType und Themes in die Anwendungen zu integrieren. Den Anfang machte die Beta zum Internet Explorer 7 - wozu hier eine eigene ClearType-Einstellung nötig ist, weiß wohl nur Microsoft selbst. Immerhin lässt sich diese hier abschalten, wenn auch die Einstellung recht tief in den Optionen vergraben ist.

Eigene Themes, die nicht deaktiviert werden können

Adobe macht es mit dem neuen Photoshop Elements 4 gleich noch einen Zacken schärfer: Sowohl eigene Themes als auch eine spezielle ClearType-Version kommen hier zum Einsatz - und als Bonus lassen sich beide Funktionen nicht abschalten.

Auch ClearType lässt sich nicht deaktivieren 

Auch die Programmhilfe lässt sich nicht darüber aus und bleibt stumm. A propos Hilfe: Nicht einmal hier schafft es Adobe, sich an Vorgaben von Windows zu halten. Obgleich die drei Evolutionsstufen .hlp, .chm und .hxs keine Wünsche offen lassen und eine sehr gute Unterstützung durch Windows bieten, schießt Adobe den Vogel ab und programmiert ein eigenes Adobe Help Center. Immerhin hat man es hier geschafft, auf eigene Themes zu verzichten. Ob die frühere genauso eigenbrödlerische Lösung mit HTML-Dokumenten besser war, vermag ich nicht zu sagen…

Eigene Hilfe mit eigener Anwendung - warum nicht einfach nach Windows-Standard?

Fazit

Microsoft hat sich doch etwas beim Design der Funktionen von Windows gedacht. Warum müssen dann andere Hersteller von den Normen abweichen und etwas völlig Eigenes kreieren? Neben zusätzlichen Kosten für eigentlich unsinnige (weil redundante) Funktionen werden diejenigen Anwender verprellt, die sich auf die Einstellungen des Systems verlassen und das Design lieber einfach, dafür aber funktionell haben möchten.

2 Kommentare »

  1. Daniel Streichardt sagt:

    12. April 2006 @ 22:25

    Ich brauche das nicht zu lesen, denn ich fühle mich nach dem Lesen des Artikels mit meinem Cleartype schon wie ein Rollstuhlfahrer. Du würdest bestimmt auch einen alten, gebrechlichen Mann bitten dir im Bus Platz zu machen ;)

  2. Robert sagt:

    8. Mai 2006 @ 22:37

    Adobe programmiert mit höherer Priorität für das Mac OS und ist darauf bedacht, die Programme auf den verschiedensten Betriebssystemen gleich aussehen zu lassen. Quasi eine Art “Corporate Identity”! Wem das nicht passt, sollte Adobe-Produkte nicht unter Windows benutzen!

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