Akku-Straßenbahn durch Englischen Garten?
Seit weit mehr als einhundert Jahren wird um die Einrichtung einer Straßenbahnlinie durch den Englischen Garten in München gerungen, und genauso lange erheben sich Stimmen gegen einen solchen Bau. Die erste Planung stammt bereits aus dem Jahr 1895. Eine aktuelle Planung war erst kürzlich von der Regierung von Oberbayern abgelehnt worden, die darauffolgende Klage der SW//M wurde vom Bayrischen Verwaltungsgerichtshof abgewiesen. Nun schlagen die Münchner Stadtwerke SW//M einen anderen Weg ein…
MVG und SWM haben das weitere Vorgehen daher in den letzten Tagen abgewogen. Zu folgendem überraschenden Schluss sind sie gekommen:
Beabsichtigt wird - sollte der Stadtrat davon in der nächsten Vollversammlung zustimmend Kenntnis nehmen - statt den Gerichtsweg weiterzuverfolgen, den bisherigen Planfeststellungsantrag zurückzunehmen. Damit würden alle bisherigen Ablehnungen der Regierung von Oberbayern und des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs gegenstandslos.Grundlage für diese Entscheidung war in erster Linie, dass eine Nichtzulassungsbeschwerde gemäß Verwaltungsgerichtsordnung beim Bundesverwaltungsgerichtshof nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn
die vom Bundesverwaltungsgerichtshof zu klärende Rechtsfrage über den konkreten Fall hinausgehende wesentliche Bedeutung für die einheitliche Auslegung und Anwendung oder für die Fortbildung des
einschlägigen Rechts hat. Sprich es könnte passieren, dass die Frage, ob die Behörde im Fall Parktrambahn zutreffend abgewogen hat, gar nicht Gegenstand eines Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht
wird. Wäre dies der Fall, würde dies zur endgültigen Rechtswirksamkeit des Urteils führen. Das Projekt wäre damit für sehr lange Zeit - MVG-Chef Herbert König spricht von “einer Generation” - erst einmal nicht mehr weiterverfolgbar. Dies will man vermeiden - insbesondere hinsichtlich folgender Zukunftsperspektiven:
Bei den Stadtwerken München und der Münchner Verkehrgesellschaft befasst man sich seit einiger Zeit mit der Entwicklung von Energiespeichermedien für den Schienenverkehr. Mit diesen soll zur Energiesparung Bremsenergie nicht nur im Netz (durch Rückspeisung), sondern auch stationär und/oder im Fahrzeug selbst zwischengespeichert und zur Beschleunigung genutzt werden. Dies würde bedeuten, dass mit Hilfe eines solchen Speichermediums im Fahrzeug auch kurze Strecken ohne Fahrleitung überbrückt werden könnten. Bisher hatten diese Medien eine zu geringe Speicherfähigkeit, zu hohes Gewicht und zu viel Platzbedarf. Nun gibt es aber so genannte “Supercaps”. Dies sind hochleistungsfähige Kondensatoren. Zusammen mit neu entwickelten Hochleistungsbatterien ermöglichen diese inzwischen ein sehr viel günstigeres Verhältnis zwischen Größe, Gewicht und Speichervolumen. Eine Distanz von bis zu einem Kilometer kann damit also möglicherweise ohne Oberleitung überwunden werden - so also auch die Strecke im Englischen Garten. Und die Befürchtung der Gegenseite, also der Regierung von Oberbayern, dass Oberleitungen das Bild des Englischen Gartens verschandeln könnten, wäre damit dann schon einmal entkräftet.
Realisierbar wäre das Ganze möglicherweise mit den neuen Trambahngliederzügen vom Typ Variobahn, von denen SWM/MVG im Herbst letzten Jahres zunächst drei Fahrzeuge bestellt haben. Dank ihrer Gewicht sparenden Bauweise wäre eine Unterbringung von “Supercaps” oder Hochleistungsbatterien auf dem Fahrzeugdach, ohne die zulässigen Achslasten zu überschreiten, denkbar. Daher beabsichtigten die SWM und die MVG, zunächst einen der drei neuen Trambahnzüge mit “Supercaps” auszustatten und diesen ab 2008/2009 zu testen. Ob diese neue Technik tatsächlich eine oberleitungsfreie Durchquerung des Englischen Gartens ermöglichen könnte, kann man allerdings noch nicht abschätzen. Daher möchten sich die Stadtwerke mit der Rücknahme des Planfeststellungsantrags nun eine Art Moratorium schaffen. “Sollte sich in einigen Jahren die Machbarkeit einer Tram ohne Fahrleitung im Englischen Garten erweisen, wäre das Grundlage für eine neue sachliche Diskussion und - wenn der Stadtrat dies wünscht - auch für ein neues Planfeststellungsverfahren mit entsprechend geänderter Planung”, so König.
Quelle: Newsletter der Aktion Münchner Fahrgäste (MVI-Online)