Bahn frei für 0,37 Cent/km: Ein Reisebericht
Mit der Bahn fahren, das ist meist mit hohen Preisen verbunden. Wer sich gut durch den Tarifdschungel kämpft, zwei Monate im Voraus plant oder einfach bei diversen Schnäppchenangeboten Glück hat, kann sparen. Für 29 Euro quer durch Deutschland, das geht mit diversen Jahreszeiten-Spezial-Angeboten. Zu fünft mit dem Wochenendticket lassen sich für 30 Euro einige Kilometer sammeln. Doch das war uns nicht genug: Eine kleine Reisegruppe aus München wollte den Preis weiter drücken.
Der München-Nürnberg-Express lieferte die Idee: Wenn ein Zug im Nahverkehr mit 200 km/h unterwegs ist, dann lassen sich mit diesem sicher einige Kilometer schinden. Und wenn man nun nicht einmal, nicht zweimal sondern einfach die maximal mögliche Zahl an Fahrten diesen Zug benutzt? Etwas unter zwei Stunden braucht der Zug je Richtung, nach vier Stunden ist er wieder am Startbahnhof angekommen.
Das macht acht Fahrten je Richtung, also je viermal München-Nürnberg und Nürnberg-München. Insgesamt sind das 1368 Kilometer und das mit dem Bayernticket für 5 Euro pro Person - wenn fünf Personen mitfahren. Daraus errechnet sich ein Preis von nur 0,3655 Cent je Kilometer, kein anderes Verkehrsmittel kann da mithalten. Klar, was soll man viermal in Nürnberg mit etwa 20 Minuten Aufenthalt anstellen? Egal, es geht ja schließlich um’s Prinzip.

Los geht es also mit dem RE 4034 um 7:05 Uhr. Pünktlich setzt er sich in Bewegung. Im Zug gähnende Leere, wir sind nahezu die einzigen Fahrgäste im ganzen Wagen. Mit der Zeit werden Spielkarten ausgepackt und Kartenhäuser gebaut, doch während der Fahrt ist das gar nicht so leicht möglich. Kurze Zeit später folgt das Notebook für die virtuelle Parallelfahrt mit dem Simulator Zusi.
Um kurz vor 9 Uhr erreichen wir Nürnberg zum ersten Mal. Immerhin 20 Minuten lang ist der Aufenthalt, genug Zeit zum Organisieren vergessener Lebensmittel. Dabei kann man gleich etwas Sightseeing betreiben: In der Westhalle des Hauptbahnhofes steht ein wirklich sehenswerter Warenautomat, der allein durch die Art der Warenausgabe zum Kauf verleitet. Neben Lebensmitteln sind hier auch allerlei andere Waren zu erstehen, zwar nicht zu günstigen Preisen, dafür aber rund um die Uhr.
Video des Automaten in Nürnberg - zum Starten anklicken
Wo ist eigentlich Ürzburg?
Zum besseren Verständnis: Dieser Kommentar im Video bezieht sich auf die Abfahrtstafel, auf welcher der Name Würzburg falsch geschreiben wurde.
In Nürnberg begrüßen wir zudem einen weiteren Gast, der uns die nächsten drei Runden begleiten wird. Wie zum Ausgleich verlässt uns ein Münchner, für ihn sind ein paar Runden Straßenbahn in Franken angesagt. Doch für uns wird es langsam Zeit, wieder zurück zum Gleis 13 zu laufen. In wenigen Minuten geht’s zurück nach München.
Langsam wird es draußen hell. Bei 200 km/h sehen wir die Landschaft vorbeiziehen. Ab und an wird der Blick auf die parallel verlaufende Autobahn A9 freigegeben, der Nahverkehrszug huscht nur so an den Autos vorbei. Im Zug selbst ist es ruhig, wir unterhalten uns angeregt.
Nur kurz erscheint die Zeit, bis wir abermals München erreichen. Es wird Zeit für einen Waggonwechsel. Vom dritten Wagen ziehen wir um in den Steuerwagen, jetzt da es hell ist, möchte man schließlich einen Blick auf die Strecke haben. Ein paar Leute bemühen sich schon während der Einfahrt in den Bahnhof der Bayrischen Hauptstadt um ein paar Tischplätze, denn kurz vor der Mittagszeit wird der Zug sehr voll.
Wir besetzen die beiden Tischplätze, versorgen uns mit dem nötigsten bei Ditsch & Co und machen natürlich das obligatorische Beweisfoto.
Um 11 Uhr nach Nürnberg, das ist keine gute Zeit, um den Fresh zu nutzen. Der Zug ist brechend voll. So voll, dass ab Ingolstadt ein Ersatzzug bereitgestellt wird, der die sitzplatzlosen Fahrgäste ohne Zwischenhalt über die Altbaustrecke via Treuchtlingen in die Frankenmetropole bringen soll. Wir bleiben im München-Nürnberg-Express, der sich mit einer kurzen Verspätung in Richtung Nürnberg bewegt.
Das bisher dunstige Wetter bessert sich gewaltig: Strahlender Sonnenschein erwartet uns, als wir neuerlich in Nürnbergs Gleis 13 zum Stehen kommen.
Wir beschließen, kurzzeitig den Bahnhof zu verlassen. Viel weiter als zum Bahnhofsvorplatz geht’s jedoch nicht, der Zeitplan ist eng gestrickt und in wenigen Minuten rollt unser Zug wieder gen Süden.
Und wieder geht es zurück. Die Spielkarten werden wieder herausgeholt, ein paar Runden “Arschloch” verkürzen die Fahrzeit in die Isar-Stadt.
Mittlerweile ist es 15 Uhr, zwei volle “Runden” sind geschafft, es ist Halbzeit. Bisher haben wir die Fahrt alle gut überstanden, keiner mag so recht glauben, dass wir bereits acht Stunden im Zug verbracht haben. Gleichzeitig gibt es einen kleinen Abschied: Zum Besuch des Tanzkurses verlässt uns ein Teilnehmer bereits jetzt.
Kartenspielenderweise setzen wir zu unserer nächsten Fahrt nach Nürnberg an, während sich einige den Kopf über die Funktionsweise des Zugsimulators zerbrechen. Einige Zwangsbremsungen später erreichen wir bereits den Bahnhof Ingolstadt. Auch hier haben wir bei jeder Fahrt einen Aufenthalt von etwa 10-15 Minuten, schließlich ist die Überholung durch einen ICE geplant. Die Zeit lässt sich prima nutzen, um sich die Beine zu vertreten oder ein Sandwich zu kaufen.

Nur kurz ist die Fahrt über die Schnellfahrstrecke, bis wir Nürnberg ein weiteres Mal erreichen. Es ist kurz vor 17 Uhr, draußen ist es bereits wieder dunkel. Es wird Zeit, dass sich das Notebook von den Zugsimulationen erholen kann, während des Aufenthaltes in Nürnberg werden stattdessen einige Assembleraufgaben gelöst. Die Erklärung der Funktionsweise eines Computers und die Notwendigkeit von Registern hat einen großen Nachteil: Ich habe das Beweisfoto für den Aufenthalt in Nürnberg vergessen. Da muss dann die Fahrkarte als Beweisstück herhalten.

Nachdem es draußen nicht mehr viel zu sehen gibt, konzentieren wir uns wieder auf das Kartenspielen. Der freundliche fahrende Imbiss-Mann kann einige Getränke an uns loswerden. Auf die Ankündigung, dass er uns noch öfter sieht, kann er nur lachen und grüßt bei jedem Vorbeigehen: “Bis später”, “Gute Nacht”, “Bis morgen”… Verständnislose Blicke gehen durch den Waggon, während wir uns halb zu Tode kichern.
Abschied ist in München angesagt, der kleinste der chaotischen Reisegruppe verlässt uns. Das wiederum wächst sich zu einem richtig großen Problem aus, denn mit ihm verlassen auch die Spielkarten den Zug. Eiligst muss daher im Münchner Hauptbahnhof Ersatz beschafft werden: Der kleine bayrische Pavillon auf der Nordseite des Querbahnsteigs hat neben Bierkrügen und München-Souvenirs auch Spielkarten. Ein Romme-Blatt wechselt den Besitzer und für die letzte Fresh-Runde ist die Unterhaltung sichergestellt.
Auf der Fahrkarte ist noch Platz für weitere Mitreisende, eiligst wurden entsprechende Kandidaten mit dem Handy alarmiert. Tatsächlich finden sich zwei Reisewillige pünktlich am Hauptbahnhof ein. Auch der Tanzkursler ist wieder da und begleitet uns ein kleines Stückchen bis nach Petershausen. Für eine komplette Runde fehlt die Zeit.

Nur die Harten kommen in den Garten und so fahren wir ein weiteres Mal gen Nürnberg. Um 20:48 erreichen wir erneut die fränkische Hauptstadt. Zeit den Nürnberger zu verabschieden, damit er noch nach Hause kommt, muss er uns jetzt verlassen. Den Aufenthalt nutzen wir für einen Besuch bei Mc Donald’s, ein leckerer Milchshake für unterwegs ist das Produkt der Wahl. Ein Blick auf den Zielanzeiger: RE 4053, der letzte Fresh, bringt uns vom Gleis 12 nach München.

Der Imbissmann kommt wieder vorbei. Einige Portionen von heißer Schokolade kann er nun loswerden, und dazu noch ein paar Fläschchen Rotkäppchen-Sekt: Zum Anstoßen auf den Fresh, der uns zuverlässig, störungsfrei und auch nahezu verspätungsfrei 1368 Kilometer durch Deutschland gebracht hat.

Bitte nicht einsteigen, Zug endet hier. Auch der Fresh hat sich nach 16 Stunden Fahrt seine nächtliche Ruhepause redlich verdient.

9 Kommentare »
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Zum besseren Verständnis: Dieser Kommentar im Video bezieht sich auf die Abfahrtstafel, auf welcher der Name Würzburg falsch geschreiben wurde.
FloSch sagt:
21. Dezember 2006 @ 1:34
Tja, und ich war krank und nicht dabei
So geht’s leider manchmal…
Klingt auf jeden Fall lustig.
Frederik sagt:
22. Dezember 2006 @ 22:40
Boah, ich schrei da mitten ins Video “Wo ist eigentlich Uerzburg?”
Ich “Videovermasseler”. ^^
Domi sagt:
28. Dezember 2006 @ 10:31
War schon lustig, so eine Fahrt nach Nürnberg und zurück kann schon mal länger dauern

Ich habe mich ja erfolgreich vor deinen Fotos drücken können.
Domi
Daniel Schuhmann sagt:
29. Dezember 2006 @ 1:11
Sproingtours.com sagt:
8. Januar 2007 @ 20:51
Wie kann man nur so bekloppt sein? *GRINS*
JeDi sagt:
14. Januar 2007 @ 15:50
Na, Wennschon, dennschon; mitm SWT kommt man bis Hannover *grins*
Daniel Schuhmann sagt:
3. Juni 2007 @ 0:40
Bis Berlin sogar. Und man hat sogar ganze 40 Minuten Aufenthalt.
WÜ CB 450 sagt:
7. November 2007 @ 22:07
Hey dieser Zug ist einfach Geilo, sowas sollte es im Umkreis
NRW / Hessen auch geben.
Mfg
Fassungsloser sagt:
18. Dezember 2007 @ 21:37
Ihr habt doch noch nie eine Frau nackt gesehen, oder?